23. Januar 2013

Krystian Zimerman

Krystian Zimerman wurde am 5. Dezember 1956 in Zabrze (ehemals Hindenburg) geboren. Er studierte zuerst mit seinem Vater und danach an der Musikakademie in Kattowitz. Zimerman gewann im Oktober 1975 mit 18 Jahren als jüngster Künstler überhaupt den Frederic Chopin-Wettbewerb in Warschau. Nach diesem sensationellen Erfolg debütierte Krystian Zimerman in vielen Ländern Europas und traf in Paris mit Artur Rubinstein zusammen.


Zimerman nach dem Sieg in Warschau

1976 unterzeichnete Krystian Zimerman seinen ersten Exklusiv-Vertrag mit der Deutschen Grammophon. Vielbeachtete Aufnahmen sind seitdem entstanden: die Schumann- und Grieg-Konzerte mit Herbert von Karajan, die zwei Brahms-Konzerte mit Leonard Bernstein sowie die Chopin-Konzerte mit Carlo Maria Giulini und Werke von Liszt mit Seiji Ozawa. 1977 trat Krystian Zimerman zum ersten Male bei den Salzburger Festspielen auf. Es folgten ausgedehnte Tourneen durch Japan  in 1978  und 1979 in die USA. Mit Herbert von Karajan trat er 1980 erstmals bei den Internationalen Musikfestwochen in Luzern und bei den Salzburger Pfingstkonzerten auf.

Den größten Einfluss auf ihn aber hatten nach eigenem Bekunden die Dirigenten Kirill Kondraschin und Carlo Zecchi sowie der polnische Theaterregisseur Tadeusz Kantor, der ihm Mittel der Kommunikation mit einem vielsprachigen Ensemble aufzeigte, welche Zimerman bei seiner Zusammenarbeit mit Orchestern sehr nützlich waren.

Zimerman ist ein absoluter Perfektionist. Er spielt in Konzerten nur auf seinem eigenen Flügel, die er selbst reguliert, intoniert und stimmt. Das ist für ihn selbstverständlich. In Europa transportiert er seinen Flügel in einem Van. In Übersee wird geflogen. Ausnahme ist USA. Kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 konfiszierten und zerstörten amerikanische Zollbeamte seinen Flügel, da sie befanden, dass der Leim des Instruments "seltsam roch". Seither fährt er dort hin nur noch mit den Mechaniken und Klaviaturen. Diese baue er dann vor Ort in ein speziell, für ihn reserviertes Instrument ein, das in New York gelagert wird. Die Klaviaturen und Flügel-Mechanik  geniessen sowieso besondere Aufmerksamkeit bei seiner technischen Arbeit. Er besitzt zu Hause in Basel, wo er seit 28 Jahren wohnt,  24 Klaviaturen für seinen Flügel. Damit experimentiert gern und oft. Neulich sagte er: "Gerade habe ich wieder eine gebaut, die total ausgeflippt ist". Auf jede Tournee schleppe er mehrere Mechaniken und Klaviaturen mit, die an die jeweilige Komponisten, die er spielt, angepasst sind. Er baut sie dann nach Bedarf eigenhändig ein. Manchmal sitzt er mit einem Klaviertechniker ganze Nächte im Studio und beide fummeln an dem Flügel herum. Niemand sonst in seiner Zunft habe die Zeit oder die Ausbildung oder wie er sagte: einen Vogel, das zu machen. Wahrlich könnte Zimerman als Konzert-Techniker den Weltmeister dieser Zunft wie Georges Ammann und Angelo Fabbrini durchaus ernsthafte Konkurrenz machen. Seine Tourneen plant er nahezu allein. Nie würde er zum Beispiel erst in Wien und dann in Nürnberg spielen. Die unterschiedliche Akustik der Säle würde "seinen" Flügel nachhaltig  vermiesen. Aus diesem Grund pflegt er zu Hause im Computer eine Datenbank zu allen Konzertsälen. Andere Künstler wie Sokolov haben "nur" eine Datenbank, die die in den Sälen vorhandene guten oder weniger guten Flügel erfasst. Krystian Zimerman ist eben ein anderer Perfektionist. Aufnahmen überwacht der Technik-Fan natürlich besonders unerbittlich. Er delegiert nur sehr ungern, macht alles selbst, denn so ist es am besten. Da er sehr viel Zeit für die Technik aufwändet kann er im Schnitt nur etwa  50 Konzerte pro Jahr geben, was natürlich nicht kostendeckend ist.


Der Mensch Zimerman ist auch ein politisches Wesen. Im April 2009 sorgte er für einen Eklat während eines Konzerts in der Disney Hall in Los Angeles, als er sein Rezital unterbrach und von der Bühne im Bezug auf den geplanten amerikanischen Raketenschild in Osteuropa forderte: "Get your hands off my country" (Lassen Sie Ihre Hände von meinem Land). Schon 2006 protestierte Zimerman energisch und auf unterschiedlichste Weise gegen die US-amerikanische Politik. Dabei hatte er vor allem George W. Bushs Politik in Bezug auf das Gefangenenlager Guantanamo Bay im Blick.

Siehe auch dazu:
Die tiefe Freundschaft des Krystian Zimerman
Krystian Zimerman feiert am 3. Oktober sein 50 jähriges Bühnenjubiläum