13. Februar 2013

Die Carnegie Hall

Der Ziegelsteinbau an der Ecke 57. Straße und 7. Avenue wurde von William Burnet Tuthill entworfen. Grundsteinlegung und Baubeginn war am 13. Mai 1890. Am 5. Mai 1891 wurde die im Stil der italienischen Renaissance gehaltene Konzerthalle mit ihren rund 2.800 Sitzplätzen bereits eröffnet. Bei der Premiere erlebte das Publikum für zwei Dollar Eintritt Tschaikowsky am Dirigentenpult bei der "Marche Solennelle " . Der Bau wurde aber erst 1897 komplett fertiggestellt.

Die Carnegie Hall ist der Großzügigkeit des Industriellen Andrew Carnegie zu verdanken. Der ambitionierte Dirigent und Leiter der New Yorker Philharmoniker, Walter Damrosch, Sohn eines deutschen Einwanderers, überzeugte den millionenschweren Mäzen davon, dass sein Orchester ein ständiges Zuhause brauchte.  Ursprünglich als Konzertsaal gedacht, sollte sich das sich Haus aber finanziell selber tragen.  Von Beginn an fanden die unterschiedlichsten Veranstaltungen dort statt. Mark Twain hielt dort ebenso einen Vortrag wie Winston Churchill und Albert Einstein. Präsident Wilson warb 1919 für den Versailler Friedensvertrag, Suffragetten kämpften für das Frauenwahlrecht und Sozialisten prangerten die Auswüchse des Kapitalismus an.




Das Konzerthaus besaß ursprünglich drei Konzertsäle. Die "Main Hall", die "Recital Hall"  und die "Chamber Music Hall". Die Liste der Namen derer, die in der Carnegie Hall ihr Debüt gaben, ist lang. Arthur Rubinstein ebenso wie Yehudi Menuhin waren dabei. Die Zahl der Werk-Premieren geht in die Tausende. 1943 sprang ein 25-jähriger Unbekannter im Straßenanzug für den erkrankten Bruno Walter am Dirigentenpult ein. Am nächsten Morgen hatte die USA einen neuen Star: Leonard Bernstein. Musikgeschichte machte das gemeinsame Auftreten von Arturo Toscanini und Wladimir Horowitz im April 1943. Für dieses Konzert wurden keine Eintrittskarten verkauft, sondern Kriegsanleihen für elf Millionen Dollar gezeichnet.

Im Januar 1938 öffnete sich die ehrwürdige Hall für den Jazz: Benny Goodman machte den Anfang vor einem ausverkauften Haus. Louis Armstrong, Duke Ellington und Miles Davis sind nur einige der vielen Prominenten, die im Laufe der Jahre bis heute folgten. Nachdem die Türen der Carnegie Hall Anfang der 1960er-Jahre auch für die Popmusik weit offen standen, eroberten auch die Rockstars den Konzertsaal.

Als die New Yorker Philharmoniker 1960 ins Lincoln Center umzogen, gab es Pläne, das Gebäude abzureißen und an der Stelle ein hohes Geschäftsgebäude zu errichten. Unter dem Druck einer von Isaac Stern geführten Gruppe kaufte es die Stadt New York 1960 für die Summe von fünf Millionen Dollar und verpachtete es an eine gemeinnützige Organisation. 1964 wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Das baufällige Gebäude wurde von 1983 bis 2003 aufwändig renoviert. Die Main Hall heißt seit der Renovierung 1983-1986 „Isaac Stern Auditorium“. 2.800 Zuschauer finden darin Platz. Die Akustik ist legendär. Die Chamber Music Hall im dritten Stock mit 270 Sitzplätzen trägt seit 1986 den Namen „Joan and Sanford L. Weill Recital Hall“. In der Recital Hall entstand ab 1997 ein moderner Mehrzwecksaal mit genau 599 Sitzplätzen. 2003 eröffnete nach Fertigstellung dann die „Judy and Arthur Zankel Hall“.